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Bindungsorientiert Abstillen?

Bindungs- und bedürfnisorientiert die Stillbeziehung gestalten, verändern, beenden? Wie geht das?

Zunächst einmal möchte ich Wikipedia zitieren, um nochmals zu beschreiben, worum es eigentlich geht: "Unter Attachment Parenting ([...] deutsch auch: Bindungsorientierte Erziehung, Bedürfnisorientierte Erziehung) versteht man eine Erziehungslehre, deren Methoden darauf ausgerichtet sind, die Mutter-Kind-Bindung dadurch methodisch zu fördern, dass die Mutter sich dem Kind gegenüber nicht nur maximal responsiv verhält, also möglichst auf die Signale des Säuglings reagiert, sondern auch möglichst viel Zeit in enger körperlicher Nähe mit dem Kind verbringt. Der Begriff „Attachment Parenting“ stammt von dem amerikanischen Kinderarzt William Sears. [...]" (Zitat: Wikipedia, Zugriff am 9.11.19)

 

Wenn man also bedürfnisorientiert und bindungsorientiert die Stillbeziehung gestalten oder verändern will, hat man die kniffelige Aufgabe die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und darauf zeitnah und  feinfühlig einzugehen, andererseits entsteht durch eigene Bedürfnisse nicht selten ein Konflikt, der sich nicht einfach lösen lässt. 

Daher finde ich in diesem Zusammenhang wichtig festzustellen, bindungsorientiert und bedürfnisorientiert zu sein ist zunächst einmal unabhängig vom Stillen. Wenn im Verlauf der Stillbeziehung ein Veränderungswunsch entsteht, der nicht vom Kind ausgeht, helfen folgende Fragen weiter:

 

Was genau ist mein Bedürfnis?

Was ist das Bedürfnis meines Kindes?

Stille ich manchmal, weil ich meine Ruhe will (z. B. weil ich gerade lieber telefonieren will, und mein Kind so noch ein bißchen 'Ruhe' gibt, …)? Möchte ich das weiter tun?

Wie alt ist mein Kind? Was ist die normale Entwicklung z. B. beim Schlafen, motorisch, emotional?

Braucht mein Kind gerade jetzt die Brust, weil es viel Neues verarbeitet (z.b. es gerade mit der Beikost begonnen hat, in der Fremdelphase ist, gerade gehen lernt, in der Kita-Eingewöhnung ist...) oder ist gerade eine entspannte Phase in der Veränderung möglich wäre?

Stille ich, weil ich es genieße?

Ist es mir lästig?

Gäbe es möglicherweise Entlastung an anderer Stelle, die ich annehmen könnte? Will ich selbst weniger stillen?

Oder will ich das Stillen beenden, weil andere es erwarten? Die Kita? Die Familie? Oder weil ich Angst habe, dass mein Kind ohne Brust bei der Tagesmutter nicht schlafen kann? 

 

So individuell wie Menschen sind, so individuell ist auch die Stillbeziehung, die Du mit Deinem Kind hast. Um diese bedürfnisorientiert zu gestalten ist es immer klug die Bedürfnisse von beiden Seiten zu betrachten und ehrlich anzuschauen. Bindungsorientiertheit ist grundlegend wichtig und unabhängig vom Stillen. Wenn eine Stillbeziehung verändert werden soll, dann sollte das eine Zeit sein in der Du als Mutter mit Deinem Kind 'verhandelst' wie ihr das Stillen gestalten wollt. Ich finde es nicht so schön, wenn Du Dich einfach aus dem 'Staub' machst und z.B. dem Papa/der Partnerin diese Diskussion überlässt, während Du nicht da bist. Natürlich können Väter Kinder dabei begleiten ohne Stillen zurecht zu kommen, aber das kannst Du auch und es ist vielleicht eine Idee das als gemeinsames Projekt zu betrachten. Der Vater/bzw. die Partnerin unterstützen euch dabei einen passenden Weg gemeinsam zu finden, dann fühlt es sich nicht mehr so schwer an. Im Stilllexikon findet man hierzu einen guten Beitrag. Vielleicht überlegst Du Dir auch 'nur' nachts abzustillen? Dann findest Du hier einen guten Beitrag von Sybille Lüpold, von 1001kindernacht.

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