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Schwangerschafts- und Stilldemenz

Gibt es sie überhaupt oder ist das eine umgangssprachliche Beschreibung dafür, dass man sich während der Schwangerschaft und in der Stillzeit durch den Schlafmangel und die Anforderungen mit Baby manchmal schlechter etwas merken kann. Die Begriffe Schwangerschafts- und Stilldemenz sind in der Tat irreführend, sie haben nichts mit dem degenerativen Syndrom einer Demenz zu tun.

 

Manchen Frauen bereitet die Vergesslichkeit in dieser Zeit ernsthafte Sorgen, wohingegen andere sich darüber eher amüsieren. Immerhin beobachten ¾ der Schwangeren diese Gedächtnislücken und konnten sich in Studien weniger gelernte Wörter merken, als nicht schwangere Frauen.

 

Es werden verschiedene Gründe für die Vergesslichkeit vermutet. Einerseits könnte die Einschränkung des prospektiven Gedächtnis als Schutz fungieren, um die Mutter vor Reizüberflutung abzuschirmen und um sie zu befähigen sich besser auf ihr Kind zu konzentrieren und eine gute Bindung aufzubauen, andererseits könnte auch das Schlafdefizit und der häufig unterbrochene Schlaf dazu führen, dass sich das Gehirn nicht ausreichend regenerieren kann. Es gibt auch die Vermutung, dass durch hohe Cortisolkonzentrationen im präfrontalen Cortex und im Hippocampus Neuronen absterben, vor allem dann, wenn der Level der Stresshormone dauerhaft hoch ist. Daher ist es besonders wichtig im Alltag immer wieder für Erholung zu sorgen und sich möglichst viel Entlastung zu organisieren.

 

Dass das Gehirn während der Schwangerschaft umgebaut wird, um für die zukünftigen Aufgaben besser vorbereitet zu sein, zeigen weitere Untersuchungen (Hoekzema, et al, 2016). Dabei sind vor allem der präfrontale Cortex und Teile des Temporallappens betroffen, die auch für die Verarbeitung von Gedächtnisinhalten und Emotionen zuständig sind. Hierbei werden diese Regionen so verknüpft, dass es besser gelingt Bedürfnisse des Babys zu registrieren. Diese bleiben bis zu zwei Jahre erhalten.

 

Wenn zu der Vergesslichkeit noch andere Symptome kommen, wie zum Beispiel Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Überforderung, kann das ein Hinweis auf eine Depression sein. Das sollte man immer ernst nehmen! Mehr Informationen findest Du hier.

 

Möchtest Du wissen wo mehr zu diesem Thema steht? Die Quellen findest Du hier (online Zugriff am 21.2.20):

https://lexikon.stangl.eu/16023/schwangerschaftsdemenz-stilldemenz/

https://thepsychologist.bps.org.uk/volume-23/edition-3/maternal-brain

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18030631

 

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