· 

Beikost, Stillen und Eisenmangel

Im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der Einführung der Beikost, hört man oft als Begründung, dass die Eisenreserven von Babys mit 4-6 Monaten erschöpft sein können. Die WHO empfiehlt die Beikost mit dem vollendeten 6. Monat einzuführen, um einer Blutarmut auf Grund von Eisen (Eisenmangelanämie) vorzubeugen. Die Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften gehen hierbei auseinander und verwirren Eltern.

 

Eine Eisenmangelanämie kommt in Europa bei weniger als 2% der Babys in den ersten 6 Monaten, bei 2–3% im Alter von 6–9 Monaten und bei 3–9% im Alter von 1–3 Jahren vor. (Quelle Stilllexikon)

Gerade Babys, die nach Bedarf gestillt werden haben oft zum empfohlenen Zeitpunkt des Beikoststartes noch wenig Interesse am Essen und essen nur kleine Mengen. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, sind sie dennoch mit allen Nährstoffen gut versorgt, sodass man sich entspannt zurücklehnen kann, oder brauchen sie Eisenpräperate, um gesund zu bleiben?

Besonders gefährdet für einen Eisenmangel sind Säuglinge:

  • deren Mutter in der Schwangerschaft selbst eine schlechte Eisenversorgung hatte
  • die vor der zweiten Lebensminute oder bevor die Nabelschnur aufgehört hat zu pulsieren, abgenabelt wurden
  • nach einem Kaiserschnitt
  • deren Nabelschnurblut zur Stammzellengewinnung abgenommen wurde
  • niedriges Geburtsgewicht

Da sich die Eisenreserven langsam entleeren, kommt ein möglicher Eisenmangel am ehesten am Ende des ersten oder während des zweiten Lebensjahres vor. Da ein Eisenmangel einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Entwicklung verschiedener Gehirnregionen haben kann, wird dieses Thema auch in Fachkreisen zurecht diskutiert. (McCann & Ames, 2007; WHO, 2017).

Ein Eisenmangel wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt, wenn der Hämoglobinwert und 110g/l fällt, spricht man von einer Anämie. (WHO, 2017)

Eine Anämie kann verschiedene Gründe haben. Ein Eisenmangel kann einer davon sein, es kann aber auch sein, dass chronische Entzündungen oder ein Nährstoffmangel (Kupfer, Folsäure, Vitamine) dazu führen, ohne, dass ein Eisenmangel besteht. Auch Infektionskrankheiten können eine Anämie verursachen. Um das herauszufinden, muss neben dem Hämoglobinwert auch der Serum-Ferritin-Wert bestimmt werden. Natürlich gehört diese Fragestellung in kinderärztliche Hand!

Wie lange kann ich ausschließlich Stillen, ohne mein Kind zu gefährden?

Der Eisengehalt der Muttermilch ist abhänging vom Eisenstatus der Mutter und ihrer Ernährung. Der Eisengehalt in der Muttermilch ist anfangs höher und nimmt im Verlauf der Stillzeit ab. Wenn die Eisenspeicher des Babys voll sind, nimmt es entsprechend weniger Eisen aus der Muttermilch oder der Beikost auf. Als einzige Eisenquelle reicht Muttermilch auf Dauer aber leider nicht aus. Laut Schätzungen der WHO muss bei einem 9 bis 11 Monate alten Baby etwa 97% des Eisens aus Beikost stammen.

Leider widersprechen sich die medizinischen Fachgesellschaften zur Empfehlung, wie lange ausschließlich gestillt werden kann (von 4-6 Monaten bis max. 12 Monaten). Wer sich hierzu im Detail belesen will, kann das z.B. hier tun.

Ein erhöhtes Risiko einen Eisenmangel zu entwickeln, bedeutet nicht, dass man einen Eisenmangel hat. Es gibt Fälle, in denen Kinder trotz langem, ausschließlichem Stillen gute Hämoglobin und Ferritin Werte hatten (McMillan et al, 1995).

Bei jedem Kind sind die Eisenspeicher ausschlaggebend für die Entwicklung eines Eisenmangels und daher sollte dieser individuell von einem Arzt untersucht werden.

Wie kann über die Beikost möglichst viel Eisen gegeben werden?

Getreidebrei enthält von sich aus wenig Eisen, die Zugabe von Kuhmilch verringert zudem die Aufnahme des vorhandenen Eisens. Bei einem Nahrungsmittel ist nicht der Eisengehalt ausschlaggebend, sondern die Bioverfügbarkeit des Eisens. Hierbei ist zu bedenken, dass Eisen aus Fleisch oder Fisch besser bioverfügbar ist, als pflanzliches Eisen.

Die Aufnahme von Eisen wird begünstigt durch die Zugabe von Vitamin C, z.B. aus Obst und Gemüse oder die Zubereitung der Speißen in einem gußeisernen Topf. Was Du Deinem Kind zum Essen anbietest sollte abwechlungsreich sein. Gemüse, Obst und Lebensmittel tierischem Ursprungs sind sinnvoll. Außerdem ist eine ausreichende Versorung mit Fett wichtig zur Aufnahme fettlöslicher Vitamine und zur Abdeckung des Kalorienbedarfs. Wenn Dein Kind vorallem über Babyledweanig (BLW) das Essen lernt, solltest Du besonders drauf achten, dass es ausreichend Eisen erhält, indem Du eisenreiche Speißen zur Verfügung stellst. Eine vegane Kost für Kinder wird aus o.g. Gründen nicht empfohlen.